Über 30.000 Mitarbeiter müssen weiter warten: Eines der größten VW-Werke bleibt wegen Corona geschlossen

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Über 30.000 Mitarbeiter müssen weiter warten: Eines der größten VW-Werke bleibt wegen Corona geschlossen


Die Corona-Pandemie hat weltweit ökonomisch noch nicht absehbare Folgen. Immer mehr Unternehmen geraten in bedrohliche Schieflage, wie die Autovermietung Hertz. Auch Volkswagen ist massiv betroffen.

Replace vom 23. Mai, 17.43 Uhr: Die deutschen Automarken Volkswagen und Audi dürfen ihre Produktion in Mexiko nach dem coronabedingten Stopp erstmal nicht wie geplant wieder aufnehmen. Der Gouverneur des Bundesstaates Puebla Miguel Barbosa erließ ein entsprechendes Dekret, um die Zunahme von Corona-Infektionen* zu vermeiden. Darin heißt es, in Puebla herrschten keine Bedingungen für die Wiederaufnahme der Aktivitäten in der Automobilindustrie. Die mexikanische Regierung hatte diese Sparte in eine Liste der wirtschaftlich essenziellen Aktivitäten aufgenommen. Volkswagen Mexiko hatte am 20. März eine vorübergehende Einstellung seiner Produktion wegen der globalen Pandemie zunächst bis zum 12. April angekündigt. Später hieß es, im Laufe des Monats Mai gehe es wieder los. Dann sollten die zwei VW-Werke am 1. Juni wieder in Betrieb gehen.

Das VW-Werk in Puebla (Mexiko) ist eine der weltweit größten Produktionsstätten des Konzerns.

© dpa / Denis Düttmann

Die Wiederaufnahme der Aktivitäten von Volkswagen und Audi in Puebla würde nach einem Bericht der Zeitung La Razón die Rückkehr von mehr als 30.000 Mitarbeitern bedeuten. In Mexiko wurden inzwischen nach offiziellen Angaben 62.572 Menschen positiv auf das neuartige Coronavirus getestet, 6989 von ihnen starben demnach. Das VW-Werk in Puebla, rund 120 Kilometer südöstlich von Mexiko-Stadt, ist eines der größten des Konzerns weltweit. Im vergangenen Jahr wurden dort mehr als 440.000 Fahrzeuge der Modelle Tiguan, Jetta und Golf hergestellt. In der Fabrik in Guanajuato rund 350 Kilometer nordwestlich von Mexiko-Stadt wurden intestine 330.000 Motoren gefertigt. Der Konzern, der sich in der Heimat Rassismus-Vorwürfen konfrontiert sieht, beschäftigt in Mexiko rund 13.000 Mitarbeiter.

Coronavirus: US-Autovermieter Hertz meldet Insolvenz an

Replace vom 23. Mai, 8.46 Uhr:Der Autovermieter Hertz hat in der Corona-Krise in den USA Insolvenz angemeldet. Der Rückgang von Reisen habe zu einem „plötzlichen und dramatischen“ Einbruch bei Umsätzen und Buchungen geführt, teilte das Unternehmen mit Sitz in Estero im US-Bundesstaat Florida am Freitagabend (Ortszeit) mit. Während der wegen der Krise erforderlichen Umstrukturierungen würden die Geschäfte weitergeführt. Das Unternehmen habe mehr als eine Milliarde Greenback (920 Mio Euro) an Barbeständen, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Internationale Operationen des Autovermieters in Europa, Australien oder Neuseeland seien von dem Insolvenzantrag nicht betroffen.

In der Mitteilung hieß es, Hertz habe bereits Maßnahmen eingeleitet, als sich die Krise im März abgezeichnet habe. So sei damals beschlossen worden, 20.000 Mitarbeiter weltweit zu beurlauben oder zu entlassen – rund die Hälfte aller Beschäftigten. Die Zahl der Fahrzeuge und Standorte werde verringert. Man beabsichtige dennoch, Kunden weiterhin die gleiche Qualität anzubieten und Lieferanten sowie Arbeitnehmer zu bezahlen. Auch Treueprogramme sollten weitergeführt werden.

Replace vom 22. Mai, 16.50 Uhr: Das Coronavirus könnte die Wirtschaft in aller Welt verändern. Experten erwarten nun sogar eine „Revolution“ für das Arbeitsleben. Möglicherweise mit sichtbaren Veränderungen in den Städten.

Corona: Renault vor dem Aus? Frankreich stellt Bedingungen – Lauda schließt größten Stützpunkt

Replace vom 22. Mai, 11.20 Uhr: Nicht nur in Deutschland, auch im europäischen Ausland leiden Autobauer heftig unter den Folgen der Corona-Krise. „Renault kämpft um sein Überleben“, sagte Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire der Zeitung Le Figaro am Freitag. Der Konzern habe ein staatlich garantiertes Darlehen von fünf Milliarden Euro beantragt.

Genehmigt ist dieses laut Le Maire aber noch nicht. Der französische Staat knüpfe Bedingungen an die Hilfen: „Beim Elektrofahrzeug, beim Respekt gegenüber ihren Zulieferern und bei der Lokalisierung ihrer technologisch fortschrittlichsten Aktivitäten in Frankreich“ solle Renault Verpflichtungen eingehen. So dürfe etwa die große Fabrik Flins bei Paris nicht geschlossen werden. „Dies ist die Place der Regierung und des Staates als Aktionär“, sagte der Minister auch im Sender Europe 1.

Die Ryanair-Tochter Lauda schließt unterdessen nach einem Streit mit der Gewerkschaft Vida ihre Foundation am Flughafen Wien – die Corona-Krise ist aber offenbar ein Mitgrund. Wie das Unternehmen am Freitag mitteilte, sind von dem Schritt 300 Arbeitsplätze betroffen. Die Fluggesellschaft hatte der Gewerkschaft zuletzt ein Ultimatum gestellt. Die Gewerkschaft weigerte sich aber, aufgrund der Corona-Krise einen neuen Tarifvertrag mit deutlichen Lohnkürzungen für die Mitarbeiter zu unterzeichnen. Die Foundation wird laut der Ankündigung am 29. Mai geschlossen.

Die Foundation Wien ist der mit Abstand größte Stützpunkt der Ryanair-Tochter, die zurzeit auf eine Flotte von 26 Flugzeugen kommt. Die Maschinen stehen wegen der Corona-Pandemie am Boden.

Corona-Krise: EU-Wirtschaft getroffen „wie von Asteroid“ – UN fürchtet übles Novum

Ursula von der Leyens EU-Kommission sieht die europäische Wirtschaft von der Corona-Pandemie schwer getroffen.

© AFP / ARIS OIKONOMOU

Erstmeldung: New York/Brüssel – Die Weltwirtschaft steht in der Corona-Krise vor einem Bruch ungeahnten Ausmaßes: Nach Angaben der UN könnte erstmals überhaupt der seit drei Jahrzehnten gemessene „Grad der menschlichen Entwicklung“ sinken. Die EU sucht unterdessen weiter nach dem richtigen Wirtschafts-Kurs. Für die deutsche Politik gibt es ungewohntes Lob – europäische Unternehmen stehen aber weiter im Fokus Chinas, wie ein aktuelles Beispiel zeigt. 

Coronavirus trifft Weltwirtschaft: UN fürchtet Rückgang beim „Grad der menschlichen Entwicklung“ 

Die Mitteilung der Vereinten Nationen vom Mittwoch klang in jedem Falle drastisch. Der Grad der menschlichen Entwicklung könnte ihren Angaben zufolge in diesem Jahr zum ersten Mal überhaupt sinken – wegen der Corona-Krise. Die UN-Entwicklungsagentur UNDP machte dafür am Mittwoch vor allem eine tiefe wirtschaftliche Rezession sowie die Schließung von Bildungseinrichtungen verantwortlich.

Nach UNDP-Schätzungen bekommen 60 Prozent der Grundschüler weltweit momentan keinen Unterricht – so viele wie seit den Achtzigerjahren nicht mehr. Dabei sei die State of affairs in den Entwicklungsländern deutlich schlimmer als in Industrienationen. Die Agentur sprach von einer „beispiellosen Krise“.

„Die Welt hat in den letzten 30 Jahren viele Krisen erlebt, einschließlich der globalen Finanzkrise 2007 bis 2009. Jede hat die menschliche Entwicklung hart getroffen, aber insgesamt sind weltweit im Vergleich zum Vorjahr Entwicklungsgewinne zu verzeichnen gewesen“, sagte UNDP-Chef Achim Steiner. Wegen der Rückschläge in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Einkommen in der Corona-Krise könne es nun aber zum ersten Mal zu einem Rückgang kommen.

Corona: EU empfiehlt Investitionen für Wirtschaft – Rat gilt auch für Deutschland

Die EU-Kommission empfiehlt den Mitgliedsstaaten unterdessen kräftige Investitionen. In ihren am Mittwoch veröffentlichten wirtschaftspolitischen Empfehlungen rät sie: Investitionen vorziehen und erst mittelfristig wieder auf solide Staatsfinanzen achten. Diese Empfehlung gilt auch für Deutschland, heftigen Rückgängen bei den Steuereinnahmen zum Trotz.

Die Kommission veröffentlicht regelmäßig gezielte Empfehlungen an alle EU-Staaten, um die Wirtschafts- und Finanzpolitik zu koordinieren. Diesmal stehen sie ganz im Zeichen der Corona-Krise. Sie sollen auch eine Rolle bei dem geplanten milliardenschweren Programm zur wirtschaftlichen Erholung spielen, das die Kommission nächste Woche präsentieren will. Gestritten wird in der EU über ein von Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron vorgestelltes Hilfs-Programm. In den vergangenen Wochen battle ausufernd über sogenannte Corona-Bonds* gestritten worden.

Coronavirus: „Kraterförmiges Loch in der Wirtschaft“ – EU-Kommission warnt und lobt Deutschland

„Das Coronavirus hat uns getroffen wie ein Asteroid und hat ein kraterförmiges Loch in der europäischen Wirtschaft hinterlassen“, erklärte der für Wirtschaft zuständige Vizepräsident Valdis Dombrovskis. Einzelne Staaten und Branchen seien unterschiedlich betroffen. Doch die Wirtschaft sei so verflochten, dass der Erholung in einzelnen Staaten direkt auch auf andere durchschlage. Nötig sei eine gezielte und koordinierte Reaktion.

EU-Kommissions-Vizepräsident Valdis Dombrovskis wählte am Mittwoch drastische Worte für die wirtschaftliche Lage in Europa.

© AFP / JOHN THYS

Dombrovskis betonte, dass die Kommission zwar die Defizite in den Staatshaushalten im Auge behalte, vorerst aber keine Strafmaßnahmen in die Wege leiten will. Währungskommissar Paolo Gentiloni sagte, die Botschaft sei klar: „Unternehmen Sie alle notwendigen Maßnahmen, um der Pandemie effektiv zu begegnen, die Wirtschaft zu erhalten und die anschließende Erholung zu unterstützen.“

Deutschland wird in den Länder-Empfehlungen eine starke Reaktion auf die Krise und ein gutes Gesundheitswesen bescheinigt. Dennoch sieht die Kommission Bedarf, das Gesundheitssystem weiter zu stärken. Generell lautet die Aufforderung an Berlin, öffentliche Investitionen vorziehen und non-public Investitionen unterstützen, und zwar vor allem in grüne und digitale Projekte, saubere Energie, nachhaltigen Verkehr, Wohnungsbau, Bildung, Forschung und bessere On-line-Dienste der Behörden.

Coronavirus: China nimmt europäische Unternehmens ins Visier – jetzt Beteiligung an Norwegian

Dass sich die europäische Wirtschaft weiter in Turbulenzen befindet, zeigt unterdessen auch diese Meldung vom Mittwoch: Ein vom chinesischen Staat kontrollierter Leasingkonzern wird Großaktionär der angeschlagenen Billigfluglinie Norwegian Air Shuttle. Die Luftfahrt, auch die deutsche Lufthansa, sind massiv von der Krise betroffen.

BOC Aviation besitzt künftig einen Anteil von 12,67 Prozent an der Airline, wie diese am Mittwoch mitteilte. Größter Anteilseigner wird demnach mit 15,9 Prozent die irische Leasinggesellschaft AerCap Holdings, die über Wandelanleihen zudem weitere 7,2 Prozent erworben hat. Norwegian battle einer der ersten Billigflieger, der auch Langstrecken anbot.

Ein anderes bekanntes Opfer der wirtschaftlichen Corona-Folgen battle zuletzt die US-Schuhkette „Runners Level“ – die Konsequenzen sind auch in Deutschland zu spüren. Debattiert wird hierzulande auch der Umgang der Unternehmen mit Dividenden bei gleichzeitigen Staatshilfen.

dpa/AFP/fn

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Rubriklistenbild: © dpa / Denis Düttmann



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