Corona-Ausbruch in einem US-Sommercamp zeigt auf: Das Virus verbreitet sich wohl unter Kindern (was Kultusminister bestreiten)

Corona-Ausbruch in einem US-Sommercamp zeigt auf: Das Virus verbreitet sich wohl unter Kindern (was Kultusminister bestreiten)



WASHINGTON. Eine Studie zu einem Coronavirus-Ausbruch in einem Sommercamp untermauert der US-Gesundheitsbehörde CDC zufolge die Erkenntnis, dass sich Kinder jeden Alters mit dem Erreger infizieren können. Entgegen ursprünglicher Annahmen könnten Kinder und Jugendliche auch eine “wichtige Rolle” bei der Übertragung von Sars-CoV-2 spielen. Die „Studienlage zur Ansteckung von/durch Kinder SARS-CoV-2 wird immer klarer“, erklärt der SPD-Gesundheitsexperte Prof. Karl Lauterbach, selbst Epidemiologe, mit Blick auf zwei weitere aktuelle Studien aus den USA. Kultusminister begründen die weiten Schulöffnungen in Deutschland ohne Abstandsregeln auch damit, dass Kinder kaum von Corona betroffen seien.

Das Coronavirus macht offenbar doch keinen Bogen um Kinder. Illustration: Shutterstock

„Das ist zwar wissenschaftlich nicht bis ins Letzte ausgeleuchtet, das gebe ich allen zu, aber die meisten Wissenschaftler sind sehr klar in der Auffassung, dass das ganz anders ist als bei der Spanischen Grippe, die man früher immer mit Corona gleichgesetzt hat.“ Die Spanische Grippe habe vor allem Kinder und Jugendliche betroffen. „Und hier ist es genau umgekehrt“, erklärte noch in dieser Woche Hamburg Bildungssenator Ties Rabe (SPD). „Das Infektionsgeschehen bei Kindern und Jugendlichen kann nicht gleichgesetzt werden in seinen Auswirkungen mit dem, was bei Erwachsenen passiert. Das ist ein Momentum, das man berücksichtigen muss in dem Abwägungsprozess, vor dem jetzt die Politik steht.“

Ähnliches battle unlängst von NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) zu hören. „Zwischen eins und zehn ist kaum ein Ansteckungsrisiko vorhanden“, behauptete sie. „Die letzte Studie, die wir in diesem Zusammenhang gesehen haben, ist die Studie aus Sachsen, aus Dresden, wo mehrere Tausend Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte getestet worden sind, und die hat nochmal ganz eindeutig bestätigt, was alle anderen Studien bisher auch bestätigt haben, dass das Infektionsgeschehen gen null läuft in dieser Alterskohorte.“

Studie wird die Diskussion um die Schulöffnungen in den USA beeinflussen

Das Robert-Koch-Institut (RKI) widerspricht dem – und verweist auf die bislang unklare Datenlage (Stand: 24. Juli). „In serologischen Studien, welche überstandene Infektionen anhand von Antikörpernachweisen abbilden sollen, zeigt sich kein einheitliches Bild: teils hatten Kinder ähnliche Seroprävalenzen wie Erwachsene, teilweise zeigte sich bei Kindern unter 10 Jahren im Vergleich eine niedrigere Seroprävalenz.“ Das RKI warnt zudem ausdrücklich davor, die Untersuchungen, die Kindern mehr oder weniger Immunität bescheinigen, überzubewerten. Wörtlich heißt es: „Da die Studien meist während oder im Anschluss an Kontaktbeschränkungen bzw. Lockdown-Situationen durchgeführt wurden, ist die Übertragbarkeit auf den Alltag begrenzt.“

Jetzt allerdings liegt eine Studie vor, die Beobachter zufolge die Diskussion um die Schulöffnungen in den USA stark beeinflussen wird. Die Untersuchung befasst sich mit einem Coronavirus-Ausbruch, der sich Ende Juni innerhalb von etwa zehn Tagen in einem Feriencamp für Kinder und Jugendliche im südlichen Bundesstaat Georgia zugetragen hatte. Von den rund 600 dort anwesenden Personen gab es nur von 344 das Ergebnis eines Corona-Assessments. Von ihnen hatten sich allerdings 260 mit dem Coronavirus infiziert, additionally quick die Hälfte. Darunter waren 51 Kinder im Alter bis zehn Jahren, 180 Jugendliche und 29 volljährige Personen. Wegen der fehlenden Testergebnisse sei anzunehmen, dass es noch mehr Infektionen gegeben habe, hieß es in der Studie.

Die rund 250 Angestellten und Freiwilligen in dem Camp mussten Masken tragen, die etwa 350 Gäste im Alter von 6 bis 18 Jahren mussten keinen Mund-Nasen-Schutz tragen. Während ihres mehrtägigen Aufenthalts gab es zahlreiche Aktivitäten im Freien und in geschlossenen Räumen, darunter „kräftiges Singen und Jubeln“, so die CDC-Studie.

Zwei Tage nach der Ankunft der Gäste sei ein Teenager am 23. Juni mit Erkältungserscheinungen nach Hause geschickt worden. Nachdem die Particular person positiv getestet worden battle, schlossen die Verantwortlichen das Camp am 27. Juni. Von den 136 Personen, für die es Informationen zu Symptomen gab, gaben 36 an, keine Beschwerden gehabt zu haben. Die übrigen berichteten von Fieber, Kopfschmerzen und Halsweh.

Schulschließungen hatten starke Effekte auf die Corona-Pandemie

Prof. Karl Lauterbach, Gesundheitsexperte der SPD und selbst Epidemiologe, verweist auf zwei weitere Studien aus den USA, die das Bild verfestigen. Eine davon sei die weltweit bisher größte und methodisch beste Studie zur Bedeutung von Schulschließungen für Covid-19. „Die US-Studie in 50 US-Staaten zeigt folgende Ergebnisse: Staaten, die besonders früh Schulen schlossen, stoppten die Pandemie am besten. Der Effekt der Schulschließungen battle überraschend stark. 1 Woche frühere Schließung senkte Neufälle um 62% und Sterblichkeit um 58%. Auch Berücksichtigung anderer Faktoren ändert das Ergebnis kaum. Dass Kinder starke Überträger waren, ist wahrscheinlich, aber nicht sicher. Studie schätzt, dass Schulschließungen in 26 Tagen 1,four Mio. Fälle und 40.000 Todesfälle in 16 Tagen verhinderten“, berichtet Lauterbach

Was bedeutet das für das beginnende Schuljahr in Deutschland?  Der Mediziner: „Regulärer Unterricht in vollen Klassen ist ein unkalkulierbares Risiko, wenn es viele Fälle in Familien gibt. Kinder übertragen dann ohne Symptome die Infektion von einer Familie zur nächsten. Daher scheinen Routinetestungen der Lehrer sinnvoll. Wenn es große 2. Welle gibt wird man die Schulklassen ausdünnen müssen und einen Teil des Unterrichts durch Homeschooling anbieten müssen. Darauf sollte man sich vorbereiten. Sonst verstärkt die Schule eine 2. Welle wahrscheinlich in wenigen Wochen deutlich.“

Die „Studienlage zur Ansteckung von/durch Kinder SARS-CoV-2 wird immer klarer“, so schlussfolgert Lauterbach auf Fb. Eine weitere methodisch hochwertige Studie aus den USA bestätige, dass Schulkinder wahrscheinlich so ansteckend wie Erwachsene sind. „Neu aber ist SEHR hohe Viruslast bei Kita-Kindern. Kita-Kinder wurden bisher selten genau untersucht. Sie galten als ungefährlich. Die Studie widerlegt das leider SEHR klar. Die Viruslast ist hier sogar viel höher als bei Erwachsenen. Wenn sich das bestätigt werden wir in den nächsten Wochen zahlreiche Kita-Ausbrüche sehen“, so Lauterbach. News4teachers / mit Materials der dpa

Am Montag startet ein gigantisches Experiment: das neue Schuljahr – mit Millionen Schülern und Lehrern ohne den üblichen Corona-Schutz

Anzeige



Supply hyperlink

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.